Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG

Konzept

 

Die Stadtteilgenossenschaft Gaarden stellt mit ihrem breitgefächerten Netzwerk der Mitglieder eine handlungsfähige Partnerin im Stadtteil Kiel- Gaarden dar, die langfristig zur Verbesserung der ökonomischen und sozialen Lage in Kiel-Gaarden beitragen kann.

 

Im Jahr 2006 wurde seitens der Landeshauptstadt Kiel erstmals der Aufbau eines Mehrgenerationenhauses im Rahmen des gleichnamigen Projektes des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Diskussion gestellt.

 

Im Rahmen von Gesprächen zwischen Verwaltung und VertreterInnen der Trägerverbände,  der Vereine, der Politik und der Wirtschaft wurde die Einrichtung eines Mehrgenerationenhauses im Stadtteil Kiel- Gaarden erarbeitet.

 

Die Diskussion, um eine Rechtsform für das Mehrgenerationenhaus führte im Mai 2007 zur Gründung der Stadtteilgenossenschaft Gaarden.

 

Erstmalig konnte hier ein Zusammenschluss von zum Gründungszeitpunkt 14 Mitgliedern (Stand 03/2012: 26 Mitglieder) aus sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen mit durchaus auch konkurrierendem Wirken in einer eigenständigen Rechtsform institutionalisiert werden. Inzwischen hat die Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG 26 Mitglieder. Neben der Stadt Kiel und den Gründungsmitgliedern konnten ein weiteres Unternehmen und 7 Privatpersonen geworben werden. Erklärtes Ziel ist die Ausgewogenheit der Mitgliedschaften aus privaten, wirtschaftlichen und institutionalisierten Hintergrund.

 

Als erstes umzusetzendes Projekt der Genossenschaft  wurde die Übernahme der Trägerschaft für das Mehrgenerationenhaus  „Vinetazentrum“, als identitätsstiftender Ort und Ausgangspunkt für die Entwicklung und Umsetzung weiterer kooperativer Projekte für den Stadtteil beschlossen.

Die Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG ermöglicht die Partizipation unterschiedlicher Gruppen im Stadtteil wie z.B. BewohnerInnen, Verwaltung, Institutionen, gemeinnützige Organisationen und Wirtschaftsbetriebe sowie die Verknüpfung ihrer jeweils spezifischen Interessen bei der Entwicklung der Geschäftsbereiche der Genossenschaft ermöglichen.

Betriebliche Organisation

 

Die Stadtteilgenossenschaft Gaarden verfügt über einen fünfköpfigen Aufsichtsrat sowie einen zweiköpfigen Vorstand.

 

Die Aufgaben des Vorstandes verteilen sich schwerpunktmäßig wie folgt:

 

Ulrike Pirwitz              Konzeption und Entwicklung

                                        Vertretung in politischen Gremien

                                        Verhandlungsführung

Petra Tudor                 Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit,

                                        Akquise von Finanzierungsmöglichkeiten, Spenden

 

Der Aufsichtsrat wird in zweijährigem Turnus neu gewählt, genehmigt den Wirtschaftsplan und steht dem Vorstand beratend zur Seite.

 

Ziele

 

Der Stadtteil Gaarden kann aufgrund der vorliegenden Daten zur sozialen Problemdichte (Sozialraumbericht Gaarden 2011/bezogen auf Daten vom 31.12.2009) als sozialer Brennpunkt beschrieben werden.

 

42% der BewohnerInnen erhalten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende.

61% der 0-15 jährigen GaardenerInnen sind abhängig von Sozialgeld nach dem SGBII.

Der Ausländeranteil in Gaarden beträgt 24%. Einen Migrationshintergrund haben 42% der BewohnerInnen, bei Kindern und Jugendlichen beträgt die Quote 62%.

Der Anteil der Alleinerziehenden liegt mit 7,66 % an zweithöchster Stelle im gesamten Kieler Stadtgebiet.

Nur 15% der Gaardener GrundschülerInnen wechseln an das Gymnasium.

Der Anteil der Ausgaben der Landeshauptstadt Kiel im Bereich der Hilfe zur Erziehung, der nach Gaarden fließt, beträgt 27,3%.

 

Ein besonderes Spiegelbild der sozialen Lage in Kiel-Gaarden ergibt sich aus dem Gesundheitszustand der zur Einschulung an die Grundschule vorgestellten Kinder.

Hiernach haben lediglich 35% der Kinder noch naturgesunde Zähne. Die Einschulungsuntersuchungen im Stadtteil ergeben Übergewicht bei 20,8%.

 

Daraus ergibt sich für den Stadtteil Kiel-Gaarden folgender Handlungsbedarf:

 

  • Beratungsbedarf für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern in niedrigschwelliger Angebotsstruktur
  • Stärkung der Mütter- bzw. Elternarbeit
  • Erhöhung der Betreuungskapazitäten
  • Weiter Angebote der offenen Jugendarbeit
  • Innovative Konzepte zur Minderung der Langzeitarbeitslosigkeit
  • Einbeziehung der BewohnerInnen aller ethnischen- und Altersgruppen in partizipative Projektplanungen
  • Städtebauliche Aufwertung des Stadtteils
  • Stärkung des Kulturstandortes Gaarden
  • Stärkung der lokalen Ökonomie
  • Förderung eines Netzwerkes der ortsansässigen Unternehmen

 

Wirken der Genossenschaft

 

Im Stadtteil Kiel- Gaarden sind bereits zahlreiche AkteurInnen in unterschiedlichen Vernetzungsstrukturen aktiv.

 

Die Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG bündelt und entfaltet ihr Wirken im Bereich der Förderung der auf den Stadtteil bezogenen Bildung und Erziehung, der Jugendhilfe, der Beratung und Beschäftigung sowie der Integration.

 

Die Stadtteilgenossenschaft ermöglicht die Beteiligung der unterschiedlichen für den Stadtteil relevanten Gruppen, wie BewohnerInnen, Arbeitslose, Betriebe der Wirtschaft, Institutionen und Vereine/ Verbände.

Sie trägt zur Verbesserung der Lebensqualität und des interkulturellen Zusammenlebens im Stadtteil bei.

Gemeinsam mit den AkteurInnen unterschiedlicher Professionen entwickelt die Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG integrative Konzepte im Sozialraum, koordiniert die Kooperation und fördert  die Sensibilität für eine kreative andere Form sozioökonomischen Handelns unter der Prämissen einer Sensibilität für die Besonderheiten des Stadtteils.

 

Aktivitäten der Genossenschaft

 

Die Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG hat unter anderem die Betreiberschaft des Mehrgenerationenhauses in Kiel- Gaarden als Zentrum für Kultur, Bildung, Beratung, Begegnung und soziale Dienstleistungen übernommen. Die Räumlichkeiten befinden sich im Eigentum der Stadt Kiel.

Das Mehrgenerationenhaus trägt den Namen „Vinetazentrum“ und wird im Rahmen des Aktionsprogrammes Mehrgenerationenhäuser II des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für den Zeitraum von drei Jahren (2012 bis 2014) mit 30.000 € p.a. gefördert.

 

Die Stadtteilgenossenschaft koordiniert die Nutzung der Räumlichkeiten und die Zusammensetzung der Angebote durch die Mitglieder. Darüber hinaus regelt sie die Nutzung durch Nichtmitglieder im Rahmen der Satzung, regt die Entwicklung weiterer

Projekte an und führt diese in Kooperation mit allen Beteiligten aus.

 

Arbeitsschwerpunkte des Mehrgenerationenhauses Vinetazentrums sind gemäß der Satzung der Stadtteilgenossenschaft sowie der Voraussetzungen für ein Mehrgenerationenhaus im Sinne des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Anlehnung an das Integrationskonzept der LHS Kiel für den Stadtteil Gaarden:

 

Alter und Pflege: Etablierung von Beratungsangeboten für ältere Menschen, Pflegebedürftige und Demenzkranke und ihre Angehörigen

 

Integration und Bildung: Etablierung integrationsfördernder und bildungsunterstützender Angebote in möglichst vielen Häusern

 

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Nachhaltige Festigung der Mehrgenerationenhäuser als die Dienstleistungsdrehscheiben in der jeweiligen Standortkommune

 

Freiwilliges Engagement: Stärkere Vernetzung mit Einrichtungen und Initiativen - wie Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros, Jugendmigrationsdiensten

 

Offener Treff

Zu den Angeboten der Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG und ihrer Mitglieder in den Räumen des Vinetazentrums zählen:

 

  • Tägliche Hausaufgabenhilfe
  • Indoorspielfläche
  • Offene Galerie
  • Spielekiste
  • Offener Treff für Bewohnerinnen und Bewohner
  • Cafeteria als Integrationsprojekt für Jugendliche aus dem Stadtteil
  • Kindermittagstisch
  • Migrationssozialberatung
  • Schwangerenberatung
  • Frauenraum (hier werden erstmals in Kiel-Gaarden Beratungen der Frauenfacheinrichtungen vor Ort angeboten)
  • Familienhebamme
  • Gesundheitsberatung
  • Psychosoziale Beratung für Migrantinnen
  • Sprach- und Integrationskurse
  • Qualifizierungsmaßnahmen
  • Themenspezifische Gruppenangebote
  • HASA/RASA Schule für junge Mütter
  • „Kurze Wege“ Beratungs-/ Begleitungsangebot für junge Mütter

 

Die Landeshauptstadt Kiel fördert die Arbeit der Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG über Zuwendungsverträge. Hierbei handelt es sich, um die Unterstützung der angebotenen Module, die über den einfachen Betrieb des Mehrgenerationenhauses hinausgehen, sowie die Übernahme der Kaltmiete für die Räumlichkeiten.

 

Die Angebotspalette der Stadtteilgenossenschaft Gaarden eG und damit des Vinetazentrums gilt keineswegs als abgeschlossen, sondern wird im Rahmen der Sozialraumplanung, der Verstetigung und der nachhaltigen Sicherung der Strukturen im Sinne der aktiven Beteiligung aller AkteurInnen  fortlaufend auf die Wirkung in den Stadtteil überprüft und dementsprechend weiterentwickelt.